Filzregal für Flüchtlingsprojekt in Düsseldorf

Im Frühjahr 2016 stand ein ganz besonderes Projekt an: Für einen ausgemusterten Linienbus, der von Studenten der Peter Behrens School of Arts – Hochschule Düsseldorf zu einem Spiel- und Aufenthaltsraum für eine Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde, habe ich ein Filzregal entwickelt und realisiert.
Die Containersiedlung in der Benrodestraße in Düsseldorf-Benrath verfügte bis dato über keine geeigneten Aufenthaltsräume für die rund 200 Erwachsenen und Kinder. Studierende und Lehrende der PBSA erschufen innerhalb von ca. sechs Monaten einen Ort, an dem Kinder unter Aufsicht lernen und in unterschiedlichen Altersstufen gemeinsam spielen können. Neben einer Spiellandschaft entstanden zwei flexible Bereiche, die sich für die Hausaufgabenbetreuung, Kurse, verschiedene Veranstaltungen und Fortbildungen nutzen lassen.
Das Filzregal sollte später den Faltenbalg – die grauen, akkordeonartigen Lamellen in der Mitte des Gelenkbusses – verdecken. Inspiriert von eben diesem Faltenbalg, entschieden wir uns hinsichtlich des Materials für einen dicken, dunkelgrauen Filz, den ich zunächst in unzählige Bahnen geschnitten und dann mit einem neonfarbenen Garn zu Lamellen zusammengenäht habe. Dies war mit Abstand die größte Herausforderung, denn das fertige Regal sollte 2m hoch und 2,5m breit sein. Mit jeder Lage wurde es schwieriger, die 2m langen Filzbahnen gehalten und durch meine Overlockmaschine (Maschine zum Kanten-Vernähen) geführt zu bekommen. Gegen Ende war es nur noch zu zweit möglich, die Massen an Filz irgendwie zu kontrollieren: Mein Freund hat die vielen Kilogramm Filz hochgehalten und ich habe sie mit viel Mühe Millimeter für Millimeter durch die Maschine geschoben.

Als dann schließlich alle Bahnen miteinander verbunden waren, folgte Teil 2: Das systematische Vernieten, damit aus den Lamellen Fächer wurden. Hunderte Metallnieten und Unterlegscheiben haben wir zu zweit über drei volle Tage hinweg in den Filz geschlagen. Der kleinste Fehler wäre fatal gewesen, denn das Regal bekam immer mehr Volumen, so dass es unter keine Näh- oder Overlockmaschine mehr gepasst hätte.

Aber es ging alles gut und das Ergebnis wurde genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das voll aufgespannte Regal bei der Eröffnung des Busses mit den Kinderbüchern gefüllt zu sehen, war ein tolles Gefühl. Danke, dass ich Teil dieses großartigen Projektes sein durfte!

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