Gastartikel im QVEST Magazin

Das internationale Lifestyle-Magazin QVEST lädt in jeder Ausgabe QVEST-Redakteure und befreundete Gastautoren dazu ein, über ihr ganz persönliches Lieblingsobjekt zu schreiben. Mein Artikel handelt von meiner treuen Schneiderpuppe „Frida“ vom Flohmarkt.

    Darf ich vorstellen? Das ist Frida. Frida hat schon einige Jahre auf dem Buckel – ihr genaues Alter will sie mir partout nicht verraten. Zumindest leben wir schon sechs Jahre zusammen und ich muss zugeben, sie macht nach wie vor eine super Figur; und trägt noch immer Größe 36.

    Frida ist weder ein exklusives Designerstück, noch würde ich sie als makellos bezeichnen – aber sie macht so einiges mit, wogegen ein Mensch vermutlich lautstark Protest erheben würde. So duldet sie es ohne Widerrede, wenn ich mit hunderten von Nadeln auf sie einsteche, sie stundenlang be- und wieder entkleide oder sie – wenn es die Experimentierfreude mit außergewöhnlichen Materialien verlangt – einfach mal komplett in Frischhaltefolie einwickele; zu ihrem eigenen Schutz versteht sich.

    Wie das bei guten Freundschaften ja oft ist, sind wir uns ganz zufällig begegnet. Ich befand mich gerade zwischen Abi und Modestudium, als ich für ein paar Tage in die schöne Schweiz reiste, um eine Freundin zu besuchen. In einem Züricher Kellerflohmarkt standen Frida und ich uns dann plötzlich gegenüber. Ich musste nicht lange überlegen – die Lady in Black gefiel mir auf Anhieb und so kam es, dass ich auf meiner Rückfahrt im Zug eine zwar stumme, aber für meine Mitreisenden durchaus amüsante Sitznachbarin hatte.

    Im Laufe der Jahre wurde Frida für mich zu einer unverzichtbaren Stütze bei der Kollektionsentwicklung. Ich muss vorausschicken, dass ich kein großer Fan von klassischen Schnittkonstruktionen mit Schneiderwinkel und Maßband bin, sondern viel mehr Freude am freien und experimentellen Arbeiten habe. Daher brauche ich eine Form, die den Stoff hält und mir dadurch eine Vorstellung vom möglichen Endergebnis vermittelt.

    Dank meiner etwas anderen Arbeitskollegin komme ich auf Entwurfslösungen, zu denen mich Papier, Stift und Lineal sicherlich niemals geführt hätten. Oftmals entwickle ich auf diese Weise Modelle, deren grundlegendes Schnittmuster ich am Ende selbst nicht mehr nachvollziehen kann, weil sie aus einem spontanen, ungezwungenen Impuls heraus entstanden sind. Es ist ein viel gefühlvolleres Arbeiten, bei dem Zufälle erwünscht sind, und ich mich voll und ganz auf die Silhouette und das Material konzentrieren kann.

    In ein paar Wochen fahre ich wieder zu meiner Freundin nach Zürich – und wer weiß, vielleicht komme ich ja mit einem attraktiven Schweizer Kollegen für Frida zurück…

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